Story: Zwischen Gleisen und Gezeiten Eine erotische Reisegeschichte in Fortsetzungen 2

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von Gummifrei am 29.10.2026, 15:11:52 in Das erste Mal

Zwischen Gleisen und Gezeiten Eine erotische Reisegeschichte in Fortsetzungen 2

Teil 2 – Eine Stunde bis Nürnberg

Der Zug fuhr gleichmäßig durch die Nacht. Draußen zogen vereinzelte Lichter vorbei, während im Abteil nur noch das gedämpfte Rattern der Räder zu hören war.

Barbara war inzwischen eingeschlafen. Ihr Kopf lehnte an der Fensterscheibe, das Buch lag geschlossen auf ihrem Schoß. Sie wirkte jünger, wenn sie schlief, weniger beherrscht und weniger unnahbar.

Gisela hatte das bemerkt. Sie sah eine Weile zu Barbara hinüber, dann zu Christian.

„Meinst du, sie schläft wirklich?“, fragte sie leise.

Christian war überrascht. „Sieht jedenfalls so aus.“

„Gut.“

Dieses eine Wort klang anders, als er erwartet hatte.

Gisela strich sich eine Haarsträhne hinters Ohr. Sie war plötzlich ungewöhnlich still und schien nach einer Formulierung zu suchen, die sie sich selbst kaum zutraute.

„Christian?“

„Ja?“

„Findest du mich eigentlich attraktiv?“

Er sah sie direkt an. „Warum fragst du das?“

„Weil ich es wissen möchte.“

Sie versuchte zu lächeln, doch ihre Nervosität war unverkennbar. Christian kannte Gisela als lebhaftes, manchmal etwas unsicheres Mädchen, das über seine Witze lachte und sich bei Diskussionen gern mit ihm stritt. Diese Frage war neu.

„Ja“, sagte er schließlich. „Du hast schöne Augen. Und ich mag deine Figur.“

Gisela blickte auf ihre Hände. „Meine Figur?“

„Du bist eine Frau, Gisela. Keine wandelnde Kleiderpuppe.“

Sie lachte leise. Das nahm ihr einen Teil der Anspannung.

„Weißt du, ich denke schon eine ganze Weile an dich“, gestand sie. „Nicht nur so, wie du vielleicht denkst.“

Christian schwieg einen Moment. Dann rückte er ein wenig näher.

„Wie denk ich denn?“

Gisela hob den Blick. „Ach, Christian. Du bist doch sonst nicht so begriffsstutzig.“

Er verstand. Und anders als sie hatte er keine Lust, noch lange um das Thema herumzureden.

„Du möchtest, dass ich dich küsse?“

Sie nickte, kaum merklich.

„Dann sag es.“

„Ich möchte, dass du mich küsst.“

Er beugte sich zu ihr und gab ihr einen zunächst vorsichtigen Kuss. Gisela erwiderte ihn, erst zögernd, dann mit einer Entschlossenheit, die ihn überraschte. Als sie sich voneinander lösten, blieb sie dicht bei ihm.

„Die Stunde bis Nürnberg könnten wir doch nutzen“, flüsterte sie.

Christian sah sie an. „Bist du sicher?“

„Ja.“

„Und Barbara?“

Gisela warf einen kurzen Blick auf ihre schlafende Freundin. „Sie schläft. Und wir müssen ja nicht die ganze Welt daran teilhaben lassen.“

Christian nahm ihre Hand. Die Verlegenheit zwischen ihnen wich einer spürbaren Spannung. Gisela hatte diesen Schritt gewollt, und nun, da er tatsächlich geschah, schien sie selbst erstaunt über ihren Mut.

Er küsste sie erneut. Diesmal gab es keine vorsichtige Frage mehr, ob sie es wirklich wollte. Sie zog ihn näher zu sich, und für eine Weile schien die nächtliche Fahrt mit all ihren Haltestellen und Fahrplänen weit weg.

Dann hielt Christian inne.

„Eine Sache noch“, sagte er leise. „Verhütung?“

Gisela zögerte. Die Frage holte sie für einen Augenblick in die Wirklichkeit zurück.

„Ich habe nichts dabei“, gab sie zu.

„Ich auch nicht.“

Sie sahen einander an. Der Augenblick war plötzlich weniger unbeschwert. Beide wussten, dass Leidenschaft keine Folgen ausschloss und dass sie sich gerade auf etwas einließen, das sie nicht einfach rückgängig machen konnten.

„Wir sollten vernünftig sein“, sagte Gisela, obwohl sie sich noch immer an ihn lehnte.

Christian nickte. „Ja. Ich will nicht, dass wir morgen etwas bereuen.“

Sie küsste ihn auf die Wange.

„Dann bleiben wir eben bei dem, womit wir uns beide wohlfühlen.“

Es war keine große Erklärung. Aber es genügte, um den Druck aus der Situation zu nehmen. Sie beschlossen, auf ungeschützten Geschlechtsverkehr zu verzichten, und ließen sich wieder auf ihre Nähe ein.

Die Küsse wurden inniger, ihre Hände suchten vorsichtig den Kontakt, und die Minuten vergingen schneller, als Christian erwartet hatte. Gisela, die sonst so gern redete, fand plötzlich Gefallen daran, nicht alles in Worte fassen zu müssen. Ihre anfängliche Unsicherheit verwandelte sich in eine stille, selbstbewusste Zärtlichkeit.

Als sie schließlich innehielten, lehnte sie ihre Stirn an seine.

„Das wollte ich schon lange“, flüsterte sie.

Christian strich ihr über die Wange. „Warum hast du nie etwas gesagt?“

„Weil ich Angst hatte, dass du lachst.“

„Darüber würde ich nicht lachen.“

Sie lächelte. Für einen Moment sah sie vollkommen zufrieden aus.

Dann veränderte sich das Geräusch des Zuges. Er wurde langsamer. Von draußen drang das metallische Quietschen der Bremsen herein, gefolgt von einer Durchsage, die zunächst unverständlich blieb.

Gisela richtete sich auf.

„Sind wir schon da?“

Christian warf einen Blick auf sein Handy. „Nürnberg. Tatsächlich.“

Im selben Augenblick bewegte Barbara sich. Sie hob den Kopf, blinzelte verschlafen und sah erst zum Fenster, dann zu den beiden.

„Sind wir angekommen?“, fragte sie.

„Gleich“, antwortete Christian etwas zu schnell.

Barbara betrachtete ihn, dann Gisela. Ihre zerzausten Haare, die geröteten Wangen und die auffällige Nähe der beiden entgingen ihr nicht.

Sie sagte zunächst nichts.

Stattdessen hob sie eine Augenbraue und lächelte langsam.

„Na, ihr habt die Fahrt offenbar besser genutzt als ich.“

Gisela wurde schlagartig rot. „Barbara!“

„Was denn?“ Barbara streckte sich und schob das Buch in ihre Tasche. „Ich habe geschlafen, nicht meine Wahrnehmung verloren.“

Christian räusperte sich. „Wir wollten dich nicht wecken.“

„Das ist euch gelungen.“ Barbara sah zwischen ihnen hin und her. „Und keine Sorge. Ich werde euch weder verhören noch ein Geständnis abnehmen.“

Sie sagte es so freundlich, dass Gisela schließlich selbst lachen musste.

Der Zug rollte in den Nürnberger Hauptbahnhof ein. Bahnsteiglichter glitten über die Fenster, Stimmen wurden lauter, Türen öffneten sich in der Ferne.

Barbara stand auf und griff nach ihrem Mantel. Bevor sie ihn anzog, beugte sie sich zu Gisela.

„Du solltest dir nicht immer so viele Gedanken darüber machen, was andere von dir halten“, sagte sie leise. „Manchmal ist es ganz gut, wenn man sich traut, etwas zu wollen.“

Gisela sah sie überrascht an. „Du bist mir nicht böse?“

„Warum sollte ich? Ihr seid beide erwachsen.“

Barbara lächelte und stieg in den Gang hinaus.

Auf dem Bahnsteig warteten bereits ihre Freunde. Einer winkte mit beiden Armen, ein anderer schleppte einen riesigen Rucksack, der aussah, als enthalte er den halben Hausstand seines Besitzers.

Christian nahm die Taschen aus der Ablage. Gisela stand neben ihm, noch immer ein wenig verlegen, aber mit einem Ausdruck im Gesicht, den er vorher nie an ihr gesehen hatte.

Als sie den Zug verließen, blieb Barbara kurz neben ihm stehen.

„Christian?“

„Ja?“

„Du solltest wissen, dass auf dieser Reise vermutlich noch einige Überraschungen auf dich warten.“

Er musterte sie. „Ist das eine Drohung?“

„Nein“, sagte Barbara und lächelte. „Ein Versprechen.“

Dann ging sie zu den anderen.

Christian blieb einen Moment stehen, bevor er ihr folgte. Die Fahrt nach Sylt lag noch vor ihnen, und plötzlich schien das Festival nur noch ein kleiner Teil dessen zu sein, was dieses Wochenende bereithielt.

Gisela nahm seine Hand, ganz selbstverständlich diesmal.

Und Barbara, die ein paar Schritte vorausging, drehte sich noch einmal um. Ihr Blick war freundlich, beinahe verschwörerisch.

Die Nacht war noch lange nicht vorbei.

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