Nackte Absicht
Andreas, 18, hört durch die Wand, wie seine Mutter und sein Stiefvater Robert Sex haben. Er masturbiert, stellt sich Robert vor und plant, ihn am Morgen nackt zu wecken, um sich ihm sexuell anzubieten.
Das Licht im Flur ist bereits aus, nur ein matter Schimmer schiebt sich unter der Türzarge hindurch und zeichnet einen langen, schmalen Streifen auf das Parkett. In Andreas’ Zimmer ist es dunkel, abgesehen von dem digitalen Wecker auf dem Nachttisch, der in regelmäßigen Abständen die Zeit in leuchtenden blauen Zahlen anzeigt. 00:14. Es ist nicht mehr der Vortag. Es ist heute.
Andreas liegt auf dem Rücken, die Arme neben dem Körper ausgestreckt, die Handflächen nach oben geöffnet, als würden sie unsichtbare Gewichte in der Luft halten. Die Bettdecke ist zur Seite geschoben, ein Knäuel aus Baumwolle am Fußende, und die Laken kühlen seine Haut langsam ab, nachdem er sich zuvor lange unter ihrer Wärme gewälzt hatte. Er ist völlig nackt. Die Luft im Zimmer ist still, schwer von der Stille, die nur durch das leise, gleichmäßige Summen des Kühlschranks aus der Küche in der Ferne unterbrochen wird.
Er starrt an die Zimmerdecke, an die weißen Putzreste, die an manchen Stellen leicht abblättern, und verfolgt die Risse im Farbanstrich mit den Augen. Es ist sein achtzehnter Geburtstag. Ein Datum, das im Kalender rot markiert ist, das Bedeutung haben sollte, das einen Übergang markieren sollte vom Jungen zum Mann. Doch hier, in der Dunkelheit seines Zimmers, fühlt sich nichts anders an als gestern oder vorgestern. Die Luft riecht nach nachts, nach staubigem Holz und dem schwachen, süßlichen Duft des Shampoos, das er vor Stunden benutzt hat, einem Hauch von Vanille, der nun fast verflogen ist.
Dann, durch die dünne Wand, dringen Geräusche zu ihm durch. Sie sind nicht laut, aber in der Stille der Nacht sind sie unüberhörbar. Ein rhythmisches Polstern, das Scharren von Füßen auf Laminat, und dann, deutlich und klar, ein Stöhnen. Es ist die Stimme seiner Mutter, hoch gepitcht, atmend, unterbrochen von kurzen, keuchenden Lauten, die wie kleine Schreie wirken. Und darunter, tiefer, ein Grunzen. Ein rhythmisches, schweres Atmen, das von Kraft und Anstrengung zeugt, das eines Mannes, der arbeitet, der sich einsetzt.
Andreas zieht die Knie an, die Füße gleiten über das glatte Laken. Die Reibung ist kaum hörbar, aber er spürt sie, die Textur des Stoffes gegen seine Fersen. Er schließt die Augen, aber die Geräusche werden dadurch nicht leiser. Im Gegenteil, ohne die visuelle Ablenkung der Zimmerdecke dringen sie schärfer in sein Bewusstsein ein. Das Bettgestell im Nebenzimmer knarrt, ein hölzernes, repetitives Geräusch, das wie ein Metronom die Szene im Kopf dirigiert. Tack. Tack. Tack. Er weiß genau, was dort passiert. Er kennt die Biologie dahinter, die Mechanik, die Anatomie, aber das Wissen macht das Hören nicht einfacher. Es macht es greifbarer, fast körperlich.
Seine Hand wandert über seinen Bauch. Die Haut ist dort weich, glatt, ohne die geringste Spur von Behaarung, ein einziges, ununterbrochenes Feld von Weißheit. Er gleitet mit den Fingern über die Unterseite seines Brustkorbs, spürt das Herzschlag, der ein wenig schneller geht als sonst. Es ist kein Muskel, der unter seinen Fingern pulsiert, sondern bloß Haut, Knochen und das flatternde Organ in seiner Brust. Er sieht viel jünger aus als achtzehn. Wenn er in den Spiegel im Badezimmer sieht, sieht das Gesicht, das ihn dort anstarrt, immer noch aus wie das eines Kindes. Die Wangen sind noch weich, das Kinn noch nicht formiert, die Augen groß und rund in einem Gesicht, das keine scharfen Kanten kennt. Er ist ein Junge, gefangen in der Zahl eines Erwachsenen.
Er lässt seine Hand weiter gleiten, über den Nabel, einen kleinen, vertikalen Schlitz in der sonst glatten Fläche seines Bauches. Weiter nach unten, über die flachen Hüfte, wo die Knochen unter der Haut hervorstehen, scharf und prominent wie die Kanten eines Steins. Es gibt keine Haare dort. Kein Flaum, keine Stoppeln, nichts, was auf eine beginnende Männlichkeit hindeuten würde. Sein Körper ist eine leere Leinwand, ein unvollendetes Projekt, das im Stillstand verharrt. Auch zwischen seinen Beinen ist es glatt. Der Hodensack ist haarlos, die Haut dort zart und hell, fast durchscheinend im Licht des Weckers, wenn er die Beine leicht spreizt. Er wirkt klein, verborgen in der glatten Hülle seiner Leisten, unschuldig und rein.
Das Stöhnen von nebenan wird intensiver. Die Stimme seiner Mutter wird schriller, drängender, und das rhythmische Knarren des Bettes beschleunigt sich. Andreas presst die Lippen aufeinander. Er atmet durch die Nase, tief und unregelmäßig. Ein Gefühl, das in seinem Unterleib begann, breitet sich nun aus. Es ist eine Hitze, ein Druck, der nicht nur physisch ist. Es ist ein Wissen, ein Verlangen, das so alt ist wie er selbst, aber heute, in dieser Nacht, auf seinem achtzehnten Geburtstag, fühlt es sich an, als würde es zum ersten Mal eine echte, greifbare Form annehmen. Es ist nicht mehr nur eine vage Neugier; es ist Hunger.
Er will Sex. Der Gedanke schießt ihm durch den Kopf, plötzlich und direkt, ohne Umschweife. Er will das, was da hinter der Wand passiert. Er will die Hitze eines anderen Körpers an seiner spüren, will das Gewicht, die Schwere, die Atmung, die nicht seine eigene ist. Er will nicht mehr nur der Beobachter sein, der durch die Wand lauscht, ein unwillkürliches Voyeur bei der Intimität seiner Mutter und seines Stiefvaters. Er will Teil davon sein. Er will das Zentrum sein, der Grund für das Stöhnen, der Auslöser für das Keuchen.
Seine Hand umschließt seinen Penis. Er ist halb steif, warm in der kühlen Raumluft, ein Stück Fleisch, das langsam erwacht. Andreas beginnt, langsam mit der Hand zu bewegen, eine rhythmische Bewegung, die dem Knarren des Bettes im Nebenzimmer zu folgen versucht. Die Reibung der Haut in seiner Hand ist trocken, aber er spürt den Puls in der Eichel, das langsame Anschwellen, das auf seine Berührung reagiert. Er ist unglaublich geil. Der Gedanke allein, dass dort, nur wenige Meter entfernt, Körper verschmelzen, dass Schweiß und Atem sich vermischen, während er hier allein in seiner Nacktheit liegt, treibt ihn fast zur Verzweiflung. Es ist eine süße Pein, ein Kontrast zwischen der Fülle dort drüben und der Leere hier drüben.
Er stellt sich Robert vor. Seinen Stiefvater. Robert ist nicht wie er. Robert ist ein Mann aus Fleisch und Blut und Muskeln. Andreas hat ihn oft gesehen, wenn er aus dem Badezimmer kommt, nur mit einem Handtuch um die Hüften gewickelt, oder wenn er im Garten arbeitet, bei der Hitze des Sommers, shirtless. Robert ist gut durchtrainiert. Die Schultern sind breit, wie ein Berggipfel, die Brustmuskulatur definiert, hart und straff, der Bauch flack und hart, mit einer Linie, die von der Brust bis in den Hosenbund führt, wo dunkle Haare unter dem Stoff verschwinden. Robert hat Haare auf der Brust, dichte, dunkle Wirbel, die Andreas mit einer Mischung aus Faszination und Neid betrachtet.
Andreas beschleunigt die Bewegung seiner Hand. Seine Atmung wird flacher, geht schwerer. Er schließt die Augen fester und malt das Bild von Robert vor seinem inneren Auge aus. Er sieht die Adern an Roberts Armen, wie sie hervortreten, wenn er etwas hebt, wie Seile unter der Haut. Er sieht den Schweiß, der auf seiner Haut glänzt, salzig und männlich. Er vergleicht es mit sich selbst. Seinen eigenen glatten, weichen Körper, der keine Definition kennt, der keine Kraft ausstrahlt. Er fühlt sich klein, kindlich neben dem Bild seines Stiefvaters, wie ein Welpe neben einem Wolf. Aber anstatt sich abzustößen, zieht ihn dieser Gedanke an. Er will diese Kraft an sich spüren.
Ob er mich wohl mag? Die Frage taucht in seinem Kopf auf, wie ein Bläschen, das an die Oberfläche des Wassers steigt und platzt. Es ist keine einfache Frage. Es ist eine Frage, die mit Ängsten und Hoffnungen gefüllt ist, die er nie laut ausgesprochen hat. Robert ist gut zu ihm. Robert ist geduldig. Robert lacht oft, aber nie über ihn. Aber magt er ihn? Magt er ihn auf die Art, wie Andreas es will? Oder sieht er in ihm nur das Kind, das noch kein Mann ist, das Sohn, das er mitgebracht hat in diese Ehe? Andreas weiß es nicht. Die Ungewissheit ist wie ein Stachel in seiner Brust.
Das Stöhnen im Nebenzimmer erreicht einen Höhepunkt. Ein langer, gezogener Laut, gefolgt von einem schweren Ausatmen und dann Stille. Nur das Atmen ist noch zu hören, schwer und ruhig, das Nachbeben der Leidenschaft. Das Knarren des Bettes hört auf. Das rhythmische Polstern verstummt. Die Wand neben Andreas’ Kopf wird wieder stumm.
Andreas hält inne. Seine Hand liegt still an seinem Glied, das nun hart in seiner Hand liegt, pocht und auf Entlastung wartet, pulsierend vor Leben. Aber er hört auf. Die Stille auf der anderen Seite wirkt wie ein Urteil. Er lässt die Hand sinken, legt sie auf seinen Oberschenkel. Die Haut dort ist ebenfalls glatt, kühl. Er starrt wieder an die Zimmerdecke, die blauen Zahlen des Weckers zeigen 00:28 an. Die Zeit ist vergangen, aber er hat sich nicht bewegt.
Er fühlt sich leer. Die Erregung ist noch da, das körperliche Verlangen pocht in seinen Adern, aber die plötzliche Stille nebenan hat ihm gezeigt, wie allein er ist. Er ist der Dritte im Bunde, der Außenseiter, der zuhört, aber nicht teilhat. Er dreht den Kopf zur Seite, blickt auf den Nachttisch. Dort liegt ein Foto, in einem einfachen Holzrahmen. Es zeigt ihn und Robert, am Strand, vor zwei Jahren. Andreas sitzt im Sand, lächelt schief in die Kamera, ein Eis in der Hand, das schon schmilzt und über seine Finger tropft. Hinter ihm steht Robert, eine Hand auf Andreas’ Schulter, breit lächelnd, die Sonne im Gesicht, die Haare vom Wind zerzaust. Andreas sieht auf dem Bild aus wie ein Zwölfjähriger. Robert sieht aus wie ein Held, ein Beschützer.
Er sitzt im Bett auf. Die Laken rutschen von seinen Oberschenkeln. Er zieht die Knie an die Brust, umarmt sie mit den Armen, legt das Kinn auf die Knie. Er ist klein, macht sich selbst klein. Er überlegt. Er denkt nach. Es ist sein achtzehnter Geburtstag. Morgen früh. Der Gedanke formt sich langsam in seinem Geist, fest und unumstößlich, wie ein Fels in der Brandung.
Er wird nicht hier liegen bleiben. Er wird nicht zuhören. Er wird nicht warten, bis die Sonne hochsteigt und der Tag wie jeder andere beginnt. Er wird handeln. Morgen früh, wenn die Welt noch grau und halb wach ist, wird er Roberts Zimmer betreten. Er wird ihn wecken. Nicht mit einer Stimme, nicht mit einem Klopfen an der Tür. Er wird ihn wecken, indem er sich an ihn heranschleicht.
Er stellt sich vor, wie das sein wird. Robert wird schlafen, tief und schwer, vielleicht auf dem Rücken, die Arme hinter dem Kopf verschränkt, den Brustkorb gehoben und gesenkt von seinem ruhigen Atem. Die Decke wird vielleicht nur halb über ihm liegen, ein Bein herausragen, die nackte Haut sichtbar im grauen Licht des Morgens, dunkel und haarig. Andreas wird dort stehen. Er wird nackt sein. Er wird keine Kleidung tragen, keine Schicht zwischen sich und Robert lassen. Er wird sich selbst darbieten, wie ein Opfer, das sich freiwillig auf den Altar legt.
Er wird abwarten, was passiert. Er wird nicht sprechen, nicht fordern. Er wird einfach da sein. Ein Angebot. Eine Geste. Er wird Robert ansehen, wird sehen, wie die Augen sich öffnen, wie der Blick aus dem Schlaf tritt und Verwirrung zeigt, dann vielleicht Erkenntnis. Er wird abwarten, wie Robert reagiert. Ob er zurückschreckt. Ob er ihn ansieht, wie einen Sohn, oder wie etwas anderes. Die Angst ist da, kalt und klar, aber sie ist nicht stark genug, um ihn aufzuhalten.
Andreas löst die Umarmung seiner Knie. Er streckt die Beine wieder aus, legt sich zurück. Die Haut auf dem Rücken berührt das Laken, kühl und rau. Er spürt sein Herzschlag in der Kehle. Er hat Angst. Die Angst sitzt tief im Magen, ein kalter Klumpen. Aber unter der Angst ist, zum ersten Mal in seinem Leben, eine Entschlossenheit. Eine feste, harte Entschlossenheit, die kein Platz für Zweifel lässt. Er ist bereit, das Risiko einzugehen. Er ist bereit, abgelehnt zu werden, nur für die Chance, berührt zu werden.
Er weiß, was er sagen wird. Wenn Robert aufwacht, wenn er ihn dort stehen sieht, nackt im Morgengrau, wird Andreas nicht stumm sein. Er wird die Worte finden, die er so lange in sich hineingefressen hat. Er wird ihm sagen, dass er mit ihm machen soll, was er will. Er wird ihm die Kontrolle übergeben. Er wird sich selbst zum Objekt machen, zum Spielzeug, zum Partner, was immer Robert will. Er wird keine Grenzen setzen, keine Bedingungen stellen. Er wird ganz Roberts sein, für diesen Moment, für diesen Morgen.
Er dreht sich auf die Seite, zieht die Knie leicht an. Die Hand sucht nach dem Kissen, drückt es sich in das Gesicht. Er atmet den Duft des Kissenbezugs ein, waschpulverneutral und trocken. Er schließt die Augen. Die Bilder in seinem Kopf werden klarer. Roberts Hände, stark und groß, wie sie ihn berühren. Roberts Stimme, tief und rau, wie sie seinen Namen ausspricht. Nicht wie ein Vater, der seinen Sohn ruft, sondern wie ein Mann, der seinen Partner begehrt. Er kann fast fühlen, wie Roberts Finger über seine glatte Haut streichen, wie er die Zärtlichkeit mit einer gewissen Rohheit mischt.
Er weiß nicht, ob Robert ihn will. Er weiß nicht, ob Robert ihn auf diese Weise sehen kann. Aber er wird es herausfinden. Morgen früh. Die Entscheidung ist getroffen. Der Plan steht. Es ist ein riskanter Plan, ein Plan, der alles zerstören könnte, was er an Sicherheit hat. Aber es ist sein achtzehnter Geburtstag, und er will nicht mehr nur der Junge sein, der durch die Wand lauscht. Er will ein Mann sein, oder zumindest das, was ein Mann für ihn sein kann.
Die Stille im Zimmer ist jetzt anders. Sie ist nicht mehr die Stille des Wartens, sondern die Stille der Vorbereitung. Andreas liegt still, aber sein Körper ist entspannt, bereit. Er atmet tief ein und aus, versucht, den Herzschlag zu beruhigen, der in seinen Ohren pocht. Er denkt an Roberts Muskeln, an die Härte seines Körpers, an den Kontrast zu seiner eigenen Weichheit. Er denkt an die Hitze, die er spüren will, die Berührung, die er braucht. Er denkt an das Gefühl von Haut auf Haut, an das Gewicht eines Mannes auf ihm, das ihn erdrücken und gleichzeitig lebendig machen würde.
Er lässt die Hand wieder wandern, über seine Brust, seinen Bauch, aber diesmal nicht aus reiner Lust, sondern um sich selbst zu spüren, um seinen Körper zu kennen, wie er ihn morgen präsentieren wird. Er fühlt die glatte Haut, die fehlenden Haare, die zarten Stellen. Er akzeptiert es in diesem Moment. Er akzeptiert, dass er so aussieht, dass er jünger wirkt, als er ist. Wenn Robert ihn will, dann wird er ihn so wollen, wie er ist. Oder er wird ihn nicht wollen. Es ist ein Alles-oder-Nichts-Spiel.
Die Zeit vergeht. Die blauen Zahlen wechseln. 00:45. 01:12. Andreas bleibt wach. Er schläft nicht. Er starrt in die Dunkelheit, seinen Plan immer wieder durchgehend, jedes Detail überprüfend, jede Reaktion, jede Möglichkeit vorausspielend. Er ist wie ein Schauspieler, der seine Rolle einstudiert, bevor er zum ersten Mal auf die Bühne tritt. Die Bühne ist Roberts Zimmer. Das Publikum ist Robert. Und er, Andreas, ist der Protagonist, der den ersten Schritt macht. Er spielt die Szene im Kopf durch, wie ein Film, den er immer wieder abspult.
Das Haus um ihn herum ist in tiefen Schlaf versunken. Er hört das leise Ticken der Uhr im Flur, das Quietschen von Holz, wenn sich das Haus in der Foundation setzt. Er hört das ferne, kaum wahrnehmbare Schnurren einer Katze auf der Straße draußen. Alles ist normal. Alles ist wie immer. Aber nichts ist wie immer. Denn Andreas hat einen Entschluss gefasst, der alles ändern wird. Die Atmosphäre im Zimmer ist geladen mit Vorfreude und Angst, eine Mischung, die ihn wach hält.
Er dreht sich noch einmal um, zieht die Decke etwas höher, nicht um sich zu bedecken, sondern um die Wärme zu spüren. Er schließt die Augen, aber sein Geist ist hellwach. Er sieht den Sonnenaufgang voraus, das graue Licht, das durch die Vorhänge schlüpft. Er sieht Roberts Silhouette im Bett. Er sieht sich selbst, wie er zur Tür geht, die Klinke drückt. Der Moment ist nah. Er ist greifbar. Er kann fast den Kupfergeschmack der Vorfreude auf seiner Zunge schmecken.
Morgen früh. Die Worte hallen in seinem Kopf nach wie ein Versprechen. Morgen früh werde ich ihn nackt wecken. Morgen früh werde ich ihm sagen, dass er mit mir machen soll, was er will. Es ist ein Gebet, ein Mantra, ein Ziel. Er hält daran fest, während die Nacht langsam vorüberzieht und der erste, zarte Hauch des Morgens am Horizont beginnt, die Dunkelheit aufzulösen. Die Dunkelheit wird nicht mehr durch Angst definiert, sondern durch Erwartung.
Andreas liegt still, sein Atem ruhig und gleichmäßig, aber seine Augen sind offen, wachsam, fixiert auf den Schatten unter der Tür, der langsam, unmerklich, seine Form verändert, während die Welt sich dreht und auf einen neuen Tag zubewegt. Seinen achtzehnten Geburtstag. Den Tag, an dem er nicht mehr nur zuhören wird. Den Tag, an dem er handeln wird. Die Stille im Flur scheint ihn zu ermutigen, das Haus selbst scheint zu warten, gespannt auf das, was kommen wird. Er ist bereit. Er ist so bereit wie noch nie in seinem Leben.
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